Am 18.03.2026 fand der 11. PflegeDigital@BW-Fachtag mit dem Titel “Entlasten. Empowern. Ermöglichen.” im memox Stuttgart statt. Dr. Karolin Hartmann und Prof. Dr. Daniel Buhr vom Team des Landeskompetenzzentrums, begrüßten die Teilnehmenden und führten durch das Programm.

Grußwort aus dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration

Amanda Breckner begrüßte die Teilnehmenden mit einem Grußwort aus dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration.

Der 11. Fachtag fokussierte sich auf die Handlungsfähigkeit, Gesundheit und Selbstwirksamkeit von Pflegekräften.

Keynote 1 – Wertschätzung vs. Wertschöpfung: Wie wir den Wert der Pflege endlich für uns nutzen!
Ulrich Zerhusen (Pflege-Speaker)

Der erste Vortrag von Ulrich Zerhusen stellte Pflege als zentralen Wertschöpfungstreiber im Gesundheitssystem dar und kritisierte, dass ihr Beitrag bislang überwiegend als Kostenfaktor wahrgenommen wird. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Pflege über neue Bewertungsmodelle als Investition sichtbar und messbar gemacht werden kann, um ökonomische Spielregeln zugunsten der Pflege zu nutzen.

Ulrich Zerhusen ist Multi-Pflegeunternehmer und studierter Ökonom, der 2011 aus der internationalen Automobilzulieferindustrie in die Pflege gewechselt ist. Mit seinem Leitsatz „Pflege stark machen“ setzt er sich dafür ein, den gesellschaftlichen und ökonomischen Wert der Pflege zu quantifizieren und damit den Boden für strukturelle Veränderungen zu legen („Pflege sind keine Kosten – Pflege ist eine Investition“).

Keynote 2 – Zwischen Frust und Fortschritt: Wie digitale Transformation in der Pflege nachhaltig geformt werden sollte. 
Prof. Dr. Christoph Golz (Professor Berner Fachhochschule)

Die zweite Keynote von Prof. Dr. Christoph Golz rückte die digitale Transformation und deren Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege in den Fokus. Christoph Golz ist Professor an der Berner Fachhochschule im Bereich Pflege und forscht dazu, wie Digitalisierung, digitale Kompetenzen und neue Technologien Mitarbeitende entlasten können, statt zusätzliche Belastungen zu erzeugen.

Im Vortrag wurde das Konzept des Technostress erläutert, das die widersprüchlichen Erfahrungen mit digitalen Technologien beschreibt: Einerseits Entlastung, andererseits Stress, Überforderung und Frust. Es wurde zwischen Techno-Distress (Technik belastet, kostet Zeit und Energie) und Techno-Eustress (Technik motiviert, unterstützt und erleichtert die Arbeit sinnvoll) unterschieden. Anhand von Beispielen aus dem Pflegealltag wurde aufgezeigt, wie Technostress entsteht, woran man ihn erkennt und was jede einzelne Person tun kann – etwa  durch Aufbau digitaler Kompetenzen und neuer Rollen. Zugleich wurde betont, dass der Arbeitgeber eine zentrale Verantwortung trägt: Gute Einführung neuer Systeme, Schulungen, Mitsprachemöglichkeiten und eine positive Haltung zu Veränderungen sind entscheidend, um Stress zu vermeiden und den Nutzen der Digitalisierung nachhaltig zu sichern.

Impulse aus der Praxis & Diskussionsrunde
Autohaus Maurer „Digitalisierung, Sicherheit und Langzeitpflege: Rahmenbedingungen, Visionen und Praxis“

Vor dem Podiumstalk „Gesund in der Pflege“ stellte Martina Knödler vom Autohaus Maurer als Preisträger im bundesweiten Ideenwettbewerb „49 gewinnt“ ihre prämierte Idee „Denkwerkstatt“ vor, die als branchenübergreifendes Beispiel für betriebliche Gesundheitsförderung diente. Die „Denkwerkstatt“ schafft einen strukturierten Raum für Austausch, Wertschätzung und gemeinsame Regeln im Team und trägt so zu einem gesünderen Arbeitsumfeld und einer bewusst gestalteten Führungskultur bei.

Der Impuls zeigte die Übertragbarkeit auf Pflegeorganisationen: Ähnliche Belastungen wie Zeitdruck, hohe Anforderungen und der Bedarf an stabiler Teamkultur machen deutlich, dass gesunde Teamkultur durch strukturierte Reflexionsräume entsteht – eine Ressource, die in der Pflege häufig fehlt. Die Idee wurde explizit mit dem Leitmotiv des Fachtags verknüpft („Entlasten – Empowern – Ermöglichen“) und als Perspektivwechsel genutzt, um den anschließenden Podiumstalk „Gesund in der Pflege“ zur Frage „Wie schaffen wir Arbeitsbedingungen, in denen Pflegekräfte gesund arbeiten können?“ inhaltlich einzuleiten.

Workshop A – Resilienz spielend fördern

Im Workshop „Resilienz spielend fördern“ lernten 12 Teilnehmende unter der Leitung von Brigitte Ganzmann von den Gesundheitslotsen das Spiel „Mensch denk an Dich“ kennen und erprobten es als niedrigschwelligen Ansatz zur Stärkung individueller und teambezogener Resilienz. Das gemeinsame Spielen eröffnete neue Perspektiven auf Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in Teams; es entstand eine entspannte, wertschätzende Atmosphäre, in der Motivation, Ideenaustausch und gegenseitige Anerkennung sichtbar gestärkt wurden. ​

Workshop B – Exoskelette in der Pflege

Workshop B widmete sich Exoskeletten als Ansatz zur körperlichen Entlastung und Rückengesundheit in der Pflege, mit hoher Beteiligung und großem Interesse der Teilnehmenden. Im Zentrum standen das praktische Ausprobieren verschiedener Exoskelette der Firma HelpTech, zwei kurze fachliche Impulse von Lasse Kuhn (Help Tech) und Steward Gold zur Einordnung der Technik sowie der kollegiale Austausch über Praxistauglichkeit, Entlastungspotenziale und offene Fragen. Flankiert wurde dies durch Projekt- und Studienmaterialien u. a. der Evangelischen Heimstiftung und der Hochschule Rosenheim.​

Workshop C –Gewinnung & Integration internationaler Pflegefachkräfte

Unter der Leitung von Christian Paraschiv wurden in diesem Workshop zunächst Erfahrungen und Zufriedenheit der Einrichtungen zu internationalen Pflegefachkräften erhoben. Insgesamt zeigten sich überwiegend positive Einschätzungen als „Investition in die Zukunft“, bei gleichzeitig deutlichen Hinweisen auf hohen Begleitungsaufwand und Bürokratie. In Kleingruppen wurden entlang der Themen Recruiting, Qualifizierung/Behördenmanagement sowie Onboarding/soziale Integration zentrale Herausforderungen wie Kosten, Anerkennungsverfahren, Wohnraummangel und Rassismuserfahrungen analysiert und konkrete Lösungsansätze wie zertifizierte Agenturen, Einbindung der Landesagentur für Zuwanderung von Fachkräften, Tandem- und Mentoringkonzepte, praxisnahe Sprachförderung, Stabsstellen Integration und Peer-to-Peer-Mentoring erarbeitet. Im Fazit wurde die Gewinnung internationaler Pflegekräfte als langfristige, strategische Aufgabe verstanden; erfolgskritisch sind dabei eine ganzheitliche Integrationsperspektive, transparente Erwartungskommunikation sowie entlastende Strukturen durch digitale Tools und spezialisierte Anlaufstellen.

Wiener Kaffeehaus und Markt der Möglichkeiten – Vernetzung und Praxisbezug

Im Rahmen des Fachtags wurde im Wiener Kaffeehaus und „Markt der Möglichkeiten“ ein Raum für den Austausch mit relevanten Akteurinnen und Akteuren rund um das Thema rund um Entlastung, Gesundheit und Digitalisierung in der Pflege. Die Teilnehmenden konnten sich praxisnah über bestehende Angebote, Beratungsstellen und Unterstützungsmöglichkeiten informieren.

Vertreten waren:

  • Qwiek.up
  • Hello Mirror / Felix
  • BGW
  • AOK Baden-Württemberg
  • BGF-Koordinierungsstelle BW
  • Help Tech
  • Magic Horizons
  • KompIGA

Die Besuchenden nutzten die Gelegenheit, konkrete Fragen zu stellen, sich zu vernetzen und Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen.

Fazit

Der 11. PflegeDigital@BW-Fachtag „Entlasten. Empowern. Ermöglichen.“ lieferte vielfältige Impulse zur Stärkung der Gesundheit, Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit von Pflegekräften. In Vorträgen, Praxisbeispielen und Workshops wurden konkrete Ansätze vorgestellt, wie Pflegekräfte durch digitale Lösungen, gesundheitsförderliche Maßnahmen und innovative Organisationskonzepte nachhaltig entlastet und unterstützt werden können.

Denn der Fachtag zeigte: Gute Arbeitsbedingungen in der Pflege entstehen nicht allein durch technische Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Wertschätzung, Beteiligung, Qualifizierung und geeigneten Rahmenbedingungen. Digitalisierung kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten – vorausgesetzt, sie wird nutzerorientiert gestaltet und unterstützt die Menschen in ihrem Arbeitsalltag.

Ein besonderer Dank galt den Referierenden, Workshopleitungen, den Akteurinnen und Akteuren des Markts der Möglichkeiten und des Wiener Kaffeehauses sowie allen Teilnehmenden, die den Fachtag mit ihren Erfahrungen, Ideen und Perspektiven bereichert haben.